Friday, February 22, 2013

Sechs Elemente als Abenteueraufhänger

Die sechs Herrscher der Elemente im Inrah-Spiel
Der  aktuelle Karneval der Rollenspiel-Blogs hat als Thema "die vier Elemente". Nun gibt es in meinem favorisierten Rollenspiel zwar sechs Elemente, das soll mich aber nicht davon abhalten, hier eine Idee zum Thema vorzustellen, die ich in einer der letzten Spielsitzungen meiner Gruppe umgesetzt habe.

Die Idee ist schnell erklärt und lässt sich von Elementen weg noch weiter verallgemeinern. Doch gerade mit Elementen sind viele Assoziationsfreiheiten verbunden, wie etwa schon der Beitrag vom Malspöler beweist.

Am Besten passen die Elemente natürlich in ein mystisches Setting, in dem die Elemente einen gewissen mythologischen Bezug haben. Das als Grundvorrausetzung genommen, kann man folgende Szene zu einem meiner Ansicht nach schicken weil sehr offenem Meta-Spiel am Spieltisch verknüpfen.



Angenommen wird, dass die Charaktere eine langfristige Aufgabe vor Augen haben, zu dessen Lösung eigentlich unendlich viele verschiedene Wege führen. Im Beispiel unten ist das etwa die Audienz bei einem König zu erwirken. Es könnte sich aber auch um ganz andere Dinge handeln, wie etwa die Demoralisierung von einer belagerten Festung handeln, das Verbreiten eines Gerüchts oder das Gründen einer Siedlung.

All diesen Aufgaben ist es neben der Vielfältigkeit der Ideen für ihre Lösung, gemeinsam, dass hier ein eigentlich nicht messbarer Fortschritt "gemessen" werden will. Normalerweise wird das ja so gespielt, dass Ideen und Aktionen der Spieler durchgeführt werden, bis irgendwann der Spielleiter der Ansicht ist, dass jetzt genug getan wurde für das Erreichen des Ziels. Definiert man hingegen als Spielleiter feste Meilensteine ("löse Seuche in belagerter Stadt aus, entführe Sohn des Herrschers,..."), die gelöst werden müssen, nimmt man der Szene die eigentlich so spannende Freiheit.

Das finde ich als Spieler manchmal unbefriedigend und hier setzt das Meta-Spiel ein.

Die Elemente-Aufgaben

Die Spieler bekommen als Aufgabe gestellt, ihr Ziel mittels der vier (oder fünf oder sechs) Elemente zu erreichen. Erst wenn sie eine Idee, die sich in Richtung des Elements interpretieren lässt, verwirklicht haben, ist dieser Teil gelöst. Die Aufgaben können sich die Spieler also im Grunde genommen selbst stellen, so lange ein Bezug zum Element hergestellt werden kann. Dadurch hat man es geschafft, sowohl ein klares Ziel für die Spieler vor Augen zu schaffen als auch die Freiheit der zahlreichen Lösungsmöglichkeiten zu wahren.

Tarot Karten mit ihrer Deutung der Farben als Elemente bieten übrigens eine hervorragende Inspirationsquelle für weitere solcher Teilaufgaben. Ich benutze gerne die Inrah-Karten von DSA mit ihren Deutungen dafür.

Weiter unten gibt es ein komplettes Beispiel, hier ein paar Ideen:

Belagerung einer Stadt (Mittelalter)
  • Humus: Rammbock-Einsatz, Schwächung der Stadtmauern mit Tunneln
  • Luft: geheime Aufklärung innerhalb der Stadtmauern, Verhandlungen einleiten
  • Feuer: Provozieren der Verteidiger, Brand auslösen
  • Wasser: Brunnen vergiften, durch Kanalisation in die Stadt eindringen

Die eigene Reputation in einer Stadt erhöhen (Moderne)
  • Humus: Milde Gaben an die Armen geben, Bau eines Krankenhauses versprechen
  •  Luft: aktuellen Bürgermeister als korrupt entlarven, Auto-Wettrennen gewinnen
  • Feuer: Aufstieg im Entertainment Bereich, organisiertes Verbrechen ausräuchern
  • Wasser: den wirtschaftlichen Niedergang aufhalten, Konflikt mit der Zentralregierung beenden

Ein komplettes Beispiel

Hier die Ausarbeitung eines konkreten Beispiels für die Phileasson Saga, das ich zuvor bereits in abgewandelter Form schon im phileasson-projekt veröffentlicht habe. 

Hintergrund: Die Helden haben laut einer Prophezeiung die Aufgabe in eine "Lebende Legende" einzudringen. Das sind unglaublich mächtige real erscheinende Illusionen, die ein im Gedächtnis des Volkes der Hochelfen wichtiges Ereignis endlos wiederholen. In diesem Fall ist es der Untergang der letzten großen Elementaren Städte der Elfen, Tie'Shianna, die Erzene. Mit dem Untergang beginnt die Diaspora der Hochelfen aus Aventurien.

Für Nicht-Kenner der Phileasson Saga, sind sicher einige unverständliche Sätze unten bei. Ich hoffe aber, dass sich dennoch ein sinnvolles Beispiel ergibt.

Tie’Shianna – Zum König vorgelassen werden

Beim Untergang von Tie’Shianna ist es Aufgabe der Helden, zum König vorgelassen zu werden, um im engsten Führungszirkel den „letzten Gefährten“ von Fenvarien ausfindig zu machen laut Prophezeiung. Gerade als Nicht-Elfen ist das natürlich gar nicht so einfach – zu viele Attentate gab es in der Vergangenheit und generell hat der König gerade besseres zu tun als Audienzen abzuhalten.

Die Helden könnten auch schnell auf die Idee kommen, einfach abzuwarten bis zu den letzten Tagen der Belagerung, wenn sich dann wohl wahrscheinlich die Reihen lichten werden. Vorher das eigene Leben zu riskieren, macht nicht wirklich Sinn.

Um dem entgegen zu wirken, habe ich eine Mini-Metaspiel eingebaut – die sechs Fürsten der Elemente.

Ich habe den Spielern eröffnet, dass sie zum König vorgelassen werden, wenn sie sich hervor tun in vier der sechs von Ometheon, einen genialen Philosophen der Elfen, einst definierten Herrschertugenden – jede assoziiert mit einem der Elemente. Diese sind angelehnt an die Interpretation der Inrah-Karten Fürst des Wassers, Fürst der Luft und so weiter. So könnten die Helden etwa folgende Aufgaben erfüllen:

- Eis: Planen und Taktik, Diskussion gewinnen im Philosophen-Zirkel
- Erz: Verteidigung der Stadt, der Wurm
- Feuer: erfolgreicher Ausfall, Attentat
- Humus: Verletzte retten, Seuchen besiegen
- Luft: Erkunden, Intrigen aufdecken
- Wasser: Moral erhöhen oder Flucht ermöglichen



Die genaue Beschreibung der Fürsten-Karten habe ich den Spielern zugänglich gemacht, so dass sie als weitere Inspirationsquelle dienen können. 

Allerdings sind die Fürsten-Karten sehr offen für andere Interpretationen und das sollen die Spieler auch gerne nutzen: Vielleicht unterstützen sie die Nurti-Priesterin und erfüllen damit die Humus-Karte, vielleicht wird einer der ihren ein Hippogriffen-Reiter und erfüllt somit die Luft-Karte. Wie eine Element-Karte erfüllt wird, das können die Spieler also vollkommen kreativ lösen und sich so in die Geschicke der zum Untergang verdammten Stadt einmischen.

Das Meta-Spiel lässt sich sogar InGame rechtfertigen: Dadurch, dass die Inseln Lebende Legenden sind, ist ein „geskriptetes Verhalten“ der handelnden Personen durchaus plausibel. Die Vislani, die in ihrer Ausbildung die Inseln befahren müssen, könnten durchaus ein „Zum König vorgelassen werden“-Quest-System in die Legenden geflochten haben, um ihre Azubis zu testen.

Wer sich das Resultat InGame durchlesen möchte, findet es in unserem Kampagnenlogbuch.
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